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BĂŒstenhalter
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Der BĂŒstenhalter, in Österreich auch Busenhalter, (beide Bezeichnungen umgangssprachlich BH abgekĂŒrzt) ist ein Kleidungs- und WĂ€schestĂŒck, das die weibliche Brust halten und stĂŒtzen soll. Mit wenigen Ausnahmen wird er von Frauen ausschließlich als Teil der UnterwĂ€sche getragen.

Contents

‱ Geschichte
‱ Aufbau
‱ BH-Formen
‱ Weiteres
‱ Film
‱ Weblinks

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Geschichte

Die Sitte, die BrĂŒste zu bedecken und zu stĂŒtzen, reicht mindestens ins antike Griechenland zurĂŒck. Im Jahr 2500 v. Chr. verdeckten minoische Frauen auf Kreta ihre BrĂŒste. In griechischen Stadtstaaten wie Sparta sollen sich Frauen bei der Teilnahme an Sportveranstaltungen die BrĂŒste abgebunden haben, um mĂ€nnlicher zu erscheinen. In der römischen Antike bedeckten und stĂŒtzten Frauen ihre Brust mit der Fascia pectoralis.

Im Jahre 2008 wurden bei Umbauarbeiten in der Decke zwischen dem ersten und dem zweiten Obergeschoss im Osttiroler Schloss Lengberg (Österreich) ĂŒber 2700 Textilfragmente entdeckt, darunter vier BĂŒstenhalter mit deutlich erkennbaren Körbchen, die nach den Ergebnissen ihrer Radiocarbondatierung aus der Zeit zwischen 1440 und 1485 stammen. Zwei der Funde sahen wie heutige BĂŒstenhalter aus, die beiden anderen wie Ă€rmellose Hemden mit Körbchen. Ein BĂŒstenhalter bestand aus feinem Leinen mit dekorativer wertvoller Nadelspitze.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2]cite-ref-3[3]

Anfang des 19. Jahrhunderts waren vorwiegend einfache Leibchen ĂŒblich. Da sich dabei die Brustwarzen abzeichneten, kamen wattierte „Brustverbesserer“ auf, die einem BH schon sehr Ă€hnlich sahen und auch spĂ€ter ĂŒber dem Korsett getragen wurden. Hugo Schindler aus Mariaschein in Böhmen meldete bereits 1893 einen BĂŒstenhalter beim „Eidgenössischen Amt fĂŒr geistiges Eigentum“ zum Patent an.cite-ref-4[4] Dieser hatte zwei an einem GĂŒrtel befestigte Kappen, die oben mit BĂ€ndern befestigt wurden.cite-ref-5[5] Das erste Patent auf ein Frauenleibchen als BrusttrĂ€ger wurde von der Dresdnerin Christine Hardt am 5. September 1899 angemeldet.cite-ref-6[6] Er bestand aus zusammengeknĂŒpften TaschentĂŒchern und MĂ€nnerhosentrĂ€gern und war verstellbar. Die Französin Herminie Cadolle meldete im Jahr 1889 ein Patent auf einen BĂŒstenhalter an.cite-ref-7[7] Der schwĂ€bische Korsettmacher Wilhelm Meyer-Ilschen aus Cannstatt entwickelte 1904 seine „BruststĂŒtze ohne Unterteil“ (erst spĂ€ter patentiert). Sein Schwiegervater Sigmund Lindauer, auch aus Cannstatt, ließ 1912 in seiner Firma S. Lindauer & Co den ersten BĂŒstenhalter in Serienfertigung gehen (Marke Prima Donna); er hatte ein kaiserliches Patent auf den ersten BH ohne LĂ€ngs- und QuerstĂŒtzen aus Fischbein und Knochen. Lindauers „Hautana“ machte rund um den Globus Karriere. Weltweit folgte eine Vielzahl weiterer Patentierungen.

Etwa gleichzeitig mit Hugo Schindler erfand in den Vereinigten Staaten Mary Phelps Jacob einen Ersatz fĂŒr das Mieder: Aus zwei TĂŒchern und einigen BĂ€ndern fertigte sie ein WĂ€schestĂŒck, um ihre BrĂŒste zu bedecken. 1914 ließ sie diese Erfindung patentieren und verkaufte das Patent anschließend fĂŒr 1500 $ an die Warner Brothers Corset Company.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts löste der BĂŒstenhalter das Korsett ab. Die ersten Modelle bestanden aus Leinen. Ab den 1920er Jahren wurden sie auch aus Seide, Musselin oder Batist hergestellt. Zu Beginn der 1930er Jahre wurden in den Vereinigten Staaten erstmals die noch heute bekannten StandardgrĂ¶ĂŸen (A-, B- und C-Körbchen) eingefĂŒhrt.

Die Massenproduktion von BHs begann in den 1930er Jahren, als industrielle Fertigungsmethoden weiterentwickelt wurden und die Konstruktion von BHs weiter verbessert wurde. Vor dieser Zeit gab es keine billigen, maschinell hergestellten BHs, und die Modelle, die verfĂŒgbar waren, mussten oft maßgeschneidert oder individuell angepasst werden. Die höheren Preise erschwerten es vielen Frauen, einen BH zu kaufen.

Mit der auch zunehmenden Akzeptanz von BHs in der Mode der USA und Europa Ă€nderte sich die Wahrnehmung, und sie wurden gĂŒnstiger und verbreiteten sich damit zunehmend, auch weil die Nachfrage wuchs und die Massenproduktion das ermöglichte. In der Nachkriegszeit bestand Rohstoffmangel in Deutschland, BHs waren fĂŒr Frauen in der Zeit unerschwinglich, sie wurden selbst genĂ€ht oder repariert und waren als Tauschware gefragt.cite-ref-9[9] In den 1950er Jahren war der BH dann ein weit verbreitetes KleidungsstĂŒck, das fĂŒr fast alle Frauen wieder zugĂ€nglich war.

1947, auch mit dem so genannten New Look, verdrĂ€ngte der BĂŒstenhalter modisch endgĂŒltig das Mieder. Es gab fortan BH mit verstĂ€rkten Körbchen (mit Fischbein-, spĂ€ter MetallbĂŒgel unterhalb der Schalen), wattierte und verstĂ€rkte BH, Push-ups, BH ohne Verschluss, Verschluss hinten oder vorn.

Ebenso wie andere KleidungsstĂŒcke durchlief der BH eine Vielzahl von Formen und Moden: knabenhaft in den 1920er Jahren, rund in den 1930ern und spitz in den 1950er Jahren. Sport-BĂŒstenhalter („Jogbra“) gibt es seit 1978.cite-ref-10[10] Ab 1994, mit der EinfĂŒhrung des „Wonderbras“ und neuer Materialien, kam es zu einem neuen Lingerie-Boom. Der teuerste jemals produzierte BH ist der juwelenbesetzte Fantasy Bra aus dem Jahr 2000, der mit einem Kaufpreis von 15 Mio. Dollar im Guinness-Buch der Rekorde eingetragen wurde.

Aufbau

Ein BĂŒstenhalter besteht aus zwei geformten, miteinander verbundenen Körbchen („Cups“) zur Aufnahme der BrĂŒste, zwei ĂŒber beide Schultern fĂŒhrende TrĂ€ger zur vertikalen Stabilisierung und einem am RĂŒcken oder vorn verschließbaren Band zur horizontalen und eigentlichen Stabilisierung. HandelsĂŒbliche BĂŒstenhalter haben meistens einen rĂŒckwĂ€rtigen Verschluss (dann oft in Form von Hafteln), der aber auch vorderseitig zwischen den Körbchen liegen kann („französischer Verschluss“). ErhĂ€ltlich sind auch Kombinationen der Grundtypen sowie Sonderformen mit ReißverschlĂŒssen, Knöpfen oder seitlichem Verschluss.

Sowohl die beiden SchultertrĂ€ger als auch das RĂŒckenteil lassen sich zur Feinanpassung verstellen, z. B. ist der RĂŒckenverschluss zur Weitenregulierung meist in zwei oder drei verschieden weit entfernte Ösen einhakbar. Weder SchultertrĂ€ger noch RĂŒckenband sollen beim Tragen in die Haut einschneiden, unter dem RĂŒckenband sollten noch zwei Finger Platz haben. Sitzt es nicht waagerecht, sondern ist nach oben verschoben, so ist entweder ein kleineres Unterbrustmaß oder ein grĂ¶ĂŸeres Körbchen zu wĂ€hlen.

BH-Formen

Allgemeine BH-Formen:

‱ Fullcup: bedeckende Körbchen mit einem hohen Steg
‱ Ballkleid-BH (strapless): ohne SchultertrĂ€ger, fĂŒr rĂŒckenfreie Kleider
‱ Bandeau-BH: Oberteil in Form eines abgewandelten breiten Bandes, oft trĂ€gerlos
‱ BĂŒgel-BH: Ă€lteste Form des BĂŒstenhalters, mit Draht oder Plastik verstĂ€rkt, stabilisiert die Brust stĂ€rker, deshalb besonders fĂŒr grĂ¶ĂŸere Cups geeignet
‱ BĂŒgelloser BH: durch den flexibleren Aufbau fĂŒr manche GrĂ¶ĂŸen verbesserter Tragekomfort
‱ NackentrĂ€ger-BH: ohne TrĂ€gerband um den RĂŒcken, Vorderverschluss
‱ Nur-Cup-BH, bis zum Aufkommen der Kontaktlinsen als Haftschalen bezeichnet
‱ Stick-on-BH: selbsthaftende Silikon-Cups bzw. unter die BrĂŒste klebbare Einweg-Cups, um RĂŒcken und DekolletĂ© frei zu halten, auch unter dem Badeanzug tragbar
‱ Still-BH: Mit Möglichkeit, den Cup mit einer Hand zu öffnen oder herunterzuklappen, um das Stillen zu ermöglichen. Oft sind die TrĂ€ger besonders breit und die Cups mehrlagig.

Modellierende BH:

‱ Minimizer-BH: zur optischen Verkleinerung grĂ¶ĂŸerer BrĂŒste, bzw. zum Erreichen einer weniger weiblich wirkenden Silhouette
‱ Push-up-BH: zur optischen VergrĂ¶ĂŸerung kleinerer BrĂŒste oder zur Modellierung des DekolletĂ©s
‱ Balconette: sehr weit außenstehende TrĂ€ger, eingearbeitete BĂŒgel oder Halbschalen zum Anheben der BrĂŒste
‱ Entlastungs-BH: fĂŒr große Oberweiten, entlastet den RĂŒcken, gewĂ€hrleistet durch den besonderen Schnitt, meist vorgeformte Cups und strapazierfĂ€hige Materialien

sport-bh BH zu Sportzwecken:

‱ Sport-BH: besonders stĂŒtzend, oft aus Funktionsfasern, auch mit integrierter Herzfrequenzmessung

Medizinische BH:

‱ Kompressions-BH: nach Brustoperationen zur Ruhigstellung der Brust und besseren Wundheilung
‱ Epithesen-BH
‱ Arthritis-BH: bei BewegungseinschrĂ€nkungen, mit leicht zu öffnendem Verschluss zwischen den Cups

Material und Pflege

BĂŒstenhalter bestehen meist aus einem Mix mehrerer Materialien:

‱ Baumwolle oder auch Viskose
‱ Elastan fĂŒr die ElastizitĂ€t
‱ Polyamid fĂŒr die FormstabilitĂ€t; alternativ auch Polyester oder Polyurethan

Bei MaschinenwĂ€sche empfiehlt sich das Waschen von BĂŒgel-BHs in besonderen WĂ€schenetzen, da herausrutschende BĂŒgel unter UmstĂ€nden zu SchĂ€den an der Waschtrommel fĂŒhren können. BH mit aufwendigen Spitzenverzierungen oder Stickereien wĂ€scht man schonender im Wollprogramm oder mit der Hand.

BH-GrĂ¶ĂŸen

Die GrĂ¶ĂŸe eines BHs wird in allen LĂ€ndern durch die Kombination aus einer Zahl und einem Buchstaben, beispielsweise 75B, gekennzeichnet. Die Zahl gibt die Unterbrustbandweite an und sagt aus, bei welchem Unterbrustumfang der BH passt. Der Buchstabe gibt die KörbchengrĂ¶ĂŸe an und sagt aus, bei welcher BrustgrĂ¶ĂŸe der BH passt. In verschiedenen LĂ€ndern gibt es unterschiedliche GrĂ¶ĂŸensysteme, die teilweise in offiziellen Normen festgeschrieben werden. Trotz dieser Normierung passen BHs oft nicht richtig (siehe Abschnitt BH-Anpassung).

Körpermaße

Die BH-GrĂ¶ĂŸen stĂŒtzen sich auf zwei Messwerte in Zentimeter:

‱ Brustumfang ist der maximale horizontale Umfang, gemessen bei normaler Atmung und aufrechter Haltung. Das Maßband lĂ€uft dabei horizontal unter den Achseln und auf der Brusterhebung. Bevorzugt wird mit mĂ€ĂŸiger Spannung ĂŒber einen BH gemessen, der die Brust nicht in unnatĂŒrlicher Weise deformiert und nicht ihr Volumen verschiebt (EN 13402)
‱ Unterbrustumfang ist der horizontale Körperumfang direkt unterhalb der BrĂŒste.

Erschwerend bei der Wahl der richtigen BH-GrĂ¶ĂŸe können neben unterschiedlich großen (asymmetrischen) BrĂŒsten auch zeitlich begrenzte Schwankungen in der BrustgrĂ¶ĂŸe sein. BH-GrĂ¶ĂŸen, die nach unterschiedlichen Messmethoden und bei unterschiedlicher FĂŒllung der Lunge mit Luft ermittelt werden, variieren bis zu mehreren GrĂ¶ĂŸen des Unterbrustbandes und noch deutlicher in der KörbchengrĂ¶ĂŸe.cite-ref-mcgee2006-11-0[11]

Alternative Körpermaße

Eine alternative Methode zur Bestimmung der KörbchengrĂ¶ĂŸe beruht auf der Messung des Halbbrustumfangscite-ref-pechter1998-12-0[12] und umgeht somit die Schwierigkeiten bei der Differenz zwischen den beiden unabhĂ€ngigen Messungen von Brustumfang und Unterbrustumfang.

Da bei der ĂŒblichen Messmethode an zwei verschiedenen Höhen des Rumpfes gemessen wird, der Umfang des Rumpfes zu den Schultern hin im Normalfall aber zunimmt, entsteht ein systematischer Fehler. Athletische Frauen mit ausgeprĂ€gt V-förmigem Oberkörper können so bei der traditionellen Bestimmung der BH-GrĂ¶ĂŸe einen zu großen Cup erhalten. Einige Messmethoden verwenden daher die Differenz zwischen Brustumfang und Brustkorbumfang (maximaler horizontaler Umfang gemessen bei normaler Atmung und aufrechter Haltung, das Bandmaß ĂŒber die SchulterblĂ€tter, unter den Achseln und ĂŒber die Brust) zur Ermittlung der KörbchengrĂ¶ĂŸe. Im britischen System wird auch der Brustkorbumfang als direktes Maß fĂŒr die UnterbrustbandgrĂ¶ĂŸe verwendet.

BH-GrĂ¶ĂŸensystem

Im Nachfolgenden wird ausschließlich das EuropĂ€ische BH-GrĂ¶ĂŸensystem aufgefĂŒhrt, das auch in Deutschland gebrĂ€uchlich ist. FĂŒr andere BH-GrĂ¶ĂŸensysteme, siehe → Internationale BĂŒstenhalter-GrĂ¶ĂŸensysteme.

Viele Hersteller haben außerdem eigene GrĂ¶ĂŸensysteme, und auch Modelle desselben Herstellers können trotz gleicher GrĂ¶ĂŸe unterschiedlich ausfallen.

| Unter­brust­umfang | Unter­brust­band­grĂ¶ĂŸe | Unter­brust­band­grĂ¶ĂŸe | Unter­brust­band­grĂ¶ĂŸe | Unter­brust­band­grĂ¶ĂŸe | Unter­brust­band­grĂ¶ĂŸe |
|---|---|---|---|---|---|
| cm | EU | FR BE ES | IT | IT | AU NZ |
| 58–62 | 60 | 75 | 0 | | 6 |
| 63–67 | 65 | 80 | 1 | I | 8 |
| 68–72 | 70 | 85 | 2 | II | 10 |
| 73–77 | 75 | 90 | 3 | III | 12 |
| 78–82 | 80 | 95 | 4 | IV, IIII | 14 |
| 83–87 | 85 | 100 | 5 | V | 16 |
| 88–92 | 90 | 105 | 6 | VI | 18 |
| 93–97 | 95 | 110 | 7 | VII | 20 |
| 98–102 | 100 | 115 | 8 | VIII | 22 |
| 103–107 | 105 | 120 | 9 | IX, VIIII | 24 |
| 108–112 | 110 | 125 | 10 | X | 26 |
| 113–117 | 115 | 130 | 11 | XI | 28 |
| 118–122 | 120 | 135 | 12 | XII | 30 |
| 123–127 | 125 | 140 | 13 | XIII | 32 |
| 128–132 | 130 | 145 | 14 | XIIII | 34 |

| Differenz [cm] | Körbchen |
|---|---|
| 10–12 | AA |
| 12–14 | A |
| 14–16 | B |
| 16–18 | C |
| 18–20 | D |
| 20–22 | E |
| 22–24 | F |
| 24–26 | G |
| 26–28 | H |
| 28–30 | I |
| 30–32 | J |
| 32–34 | K |
| 34–36 | L |
| 36–38 | M |
| 38–40 | N |
| 40–42 | O |
| 42–44 | P |
| 44–46 | Q |
| 46–48 | R |
| 48–50 | S |
| 50–52 | T |
| 52–54 | U |
| 54–56 | V |
| 56–58 | W |
| 58–60 | X |
| 60–62 | Y |
| 62–64 | Z |
| 64–66 | ZZ |
| 66–68 | ZZZ |

Die GrĂ¶ĂŸenangabe der BĂŒstenhalter ist innerhalb Europas in der Norm EN 13402 (GrĂ¶ĂŸenbezeichnung von Bekleidung) festgelegt.cite-ref-en13402-13-0[13] Die UnterbrustbandgrĂ¶ĂŸe (g) entspricht dem auf 5 cm gerundeten Unterbrustumfang (u). Die KörbchengrĂ¶ĂŸe (c) ergibt sich aus der Differenz zwischen Brustumfang (b) und der UnterbrustbandgrĂ¶ĂŸe (g); die Bezeichnungen sind prinzipiell alphabetisch beliebig erweiterbar.

g EU = [ u ] 5 cm = 5 ⋅ ⋅ ⌊ u + 2 , 5 cm 5 cm ⌋ {\displaystyle g_{\text{EU}}=\left[u\right]_{5\,{\text{cm}}}=5\cdot \left\lfloor {\frac {u+2{,}5\,{\text{cm}}}{5\,{\text{cm}}}}\right\rfloor }
c EU = [ b − − g EU ] 2 cm = f ( [ b − − g EU − − 11 cm 2 cm ] ) {\displaystyle c_{\text{EU}}=\left[b-g_{\text{EU}}\right]_{2\,{\text{cm}}}=f\left(\left[{\frac {b-g_{\text{EU}}-11\,{\text{cm}}}{2\,{\text{cm}}}}\right]\right)}

Das europĂ€ische System hat gegenĂŒber verschiedenen anderen Systemen einige Vorteile:

‱ Der gemessene Unterbrustumfang in Zentimetern entspricht (gerundet) direkt der Zahl der BH-Bezeichnung.
‱ Die Körbchenbezeichnungen sind streng alphabetisch geordnet.
‱ Die KörbchengrĂ¶ĂŸen sind etwas feiner abgestuft (2 cm statt 1 Zoll [2,54 cm]) als im angloamerikanischen Raum.

Die KörbchengrĂ¶ĂŸe wird auf Basis der auf volle 5 cm gerundeten UnterbrustbandgrĂ¶ĂŸe (g) ermittelt. Die messtechnisch ermittelte Differenz aus Brustumfang (b) und Unterbrustumfang (u) kann nicht unmittelbar in eine KörbchengrĂ¶ĂŸe ĂŒberfĂŒhrt werden. Zum Beispiel fĂŒhren die Messwerte b=96 cm und u=76 cm zu einer BH-GrĂ¶ĂŸe von 75E, die Messwerte b=99 cm und u=79 cm jedoch zu einer BH-GrĂ¶ĂŸe von 80D. Trotz identischer gemessener Differenz von 20 cm unterscheiden sich die KörbchengrĂ¶ĂŸen.

Die europĂ€ischen bzw. deutschen KleidergrĂ¶ĂŸen (k) beruhen ebenfalls auf dem Brustumfang, indem 6 vom gerundeten und halbierten Messwert abgezogen wird. Dementsprechend sollte theoretisch einer Frau mit der KleidergrĂ¶ĂŸe 38 abhĂ€ngig von ihrem Unterbrustumfang ein BH der GrĂ¶ĂŸen 60G–J, 65D–H, 70B–E oder 75A–C passen, umgekehrt sollte eine Frau mit der BH-GrĂ¶ĂŸe 75B gut in Kleider der KonfektionsgrĂ¶ĂŸe 38 oder 40 passen.

k DE = [ b ] 4 cm = 2 ⋅ ⋅ ⌊ b − − 10 cm 4 cm ⌋ {\displaystyle k_{\text{DE}}=\left[b\right]_{4\,{\text{cm}}}=2\cdot \left\lfloor {\frac {b-10\,{\text{cm}}}{4\,{\text{cm}}}}\right\rfloor }

Weiteres

‱ Doppelbuchstaben sind im GrĂ¶ĂŸensystem eigentlich nicht vergeben. So bezeichnet AA eine KörbchengrĂ¶ĂŸe, die kleiner ist als die KörbchengrĂ¶ĂŸe A, wohingegen alle anderen Doppelbuchstaben die nĂ€chstgrĂ¶ĂŸere KörbchengrĂ¶ĂŸe kennzeichnen. Die oft mit einer sehr ĂŒppigen Brust assoziierte KörbchengrĂ¶ĂŸe DD existiert im europĂ€ischen GrĂ¶ĂŸensystem nicht. Im amerikanischen GrĂ¶ĂŸensystem ist sie identisch zur KörbchengrĂ¶ĂŸe E. Im britischen GrĂ¶ĂŸensystem ist DD jedoch eine eigenstĂ€ndige KörbchengrĂ¶ĂŸe, die zwischen den GrĂ¶ĂŸen D und E liegt.
‱ Bei den britischen Doppelbuchstaben handelt es sich nicht um ZwischengrĂ¶ĂŸen. Zwar liegt die britische KörbchengrĂ¶ĂŸe DD zwischen den britischen KörbchengrĂ¶ĂŸen D und E, jedoch ist zwischen allen drei KörbchengrĂ¶ĂŸen ein voller Schritt von einem Zoll Umfangsdifferenz, und kein halber Schritt. Die britische KörbchengrĂ¶ĂŸe E ist somit eine Stufe grĂ¶ĂŸer als die europĂ€ische KörbchengrĂ¶ĂŸe E, da es im europĂ€ischen System keine Doppelbuchstaben (außer AA) gibt.
‱ KreuzgrĂ¶ĂŸen bezeichnen beispielsweise die BH-GrĂ¶ĂŸen 75D und 80C. Sie fassen etwa dasselbe Brustvolumen, unterscheiden sich aber in der LĂ€nge des Unterbrustbandes. Wenn 80C von der KörbchengrĂ¶ĂŸe her passt, der BH vom Unterbrustband her aber zu wenig Halt gibt, ist 75D eventuell eine Alternative.

Online-Rechner

Im Internet gibt es zahlreiche BH-GrĂ¶ĂŸen-Rechner, die jedoch unterschiedlichste Rechenmodelle zugrunde legen.

‱ Viele deutsche Hersteller richten sich nach der EU-Norm EN 13402, können jedoch in GrenzfĂ€llen (z. B. wenn die Differenz zwischen Brustumfang und Unterbrustband geradzahlig ist und zwei Cup-GrĂ¶ĂŸen möglich sind) unterschiedliche Ergebnisse liefern. GrĂ¶ĂŸenrechner, welche fĂŒr identische Differenzen zwischen Ober- und Unterbrustumfang immer dieselbe KörbchengrĂ¶ĂŸe ermitteln, missachten hierbei die EU-Norm. Manche Online-Rechner implementieren sowohl die europĂ€ische Norm als auch die herkömmliche britische / US-amerikanische +4-Methode, berechnen aber ebenfalls Alternativen und KreuzgrĂ¶ĂŸen.cite-ref-14[14]
‱ Als Konsequenz des Streits um die sog. +4-Regel im anglo-amerikanischen GrĂ¶ĂŸensystem verzichten manche populĂ€re BH-GrĂ¶ĂŸen-Rechner im Internet auf diese Addition. Beispiele hierfĂŒr sind die Online-Rechner von BoobOrBust.com und der Reddit-Community „A Bra That Fits“, welche die herkömmliche Methode als ungenau und fĂŒr die meisten Frauen als unpassend bezeichnet. Dies ignoriert jedoch die Tatsache, dass die alternative Berechnung inkompatibel zum GrĂ¶ĂŸensystem vieler BH-Hersteller ist, welches inzwischen ebenfalls auf dem Unterbrustumfang beruhen dĂŒrfte und nur noch formal die traditionelle Nomenklatur nutzt.cite-ref-war-on-plus-four-15-0[15]cite-ref-16[16]

Medizinische Aspekte

Das Tragen eines stĂŒtzenden BĂŒstenhalters ist empfehlenswert bei großen BrĂŒsten und BewegungsablĂ€ufen mit andauernden, starken und ruckartigen Belastungen, wie sie beim Joggen oder vielen Ballsportarten auftreten können. Die StĂŒtzung soll eine dauerhafte Dehnung der pektoralen Retinacula vermeiden, was zu einer irreversiblen Absenkung der Brust fĂŒhren kann. Ein spezieller Sport-BH kann die Belastung des Brustgewebes auf etwa 25 % reduzieren, wĂ€hrend beim Tragen eines T-Shirt-BHs die Belastung noch 62 % betrĂ€gt.cite-ref-scurr2997-17-0[17] MĂ€nner mit einer ausgeprĂ€gten GynĂ€komastie können durch das Tragen eines BĂŒstenhalters eine Schmerzlinderung erreichen; die Belastung des Brustgewebes kann dadurch stark vermindert werden.

Mit zunehmendem Alter sinkt die ElastizitĂ€t des straffen Bindegewebes. Einige Studien halten es fĂŒr möglich, dass dieser Effekt beim Tragen eines BH durch die stĂ€ndige Entlastung von Bindegewebsfasern und Muskulatur verstĂ€rkt wird.cite-ref-18[18]cite-ref-ashizawa1990-19-0[19]cite-ref-pierrot-2003-20-0[20] Bei sehr großen BrĂŒsten, die vom BH nicht angehoben werden, kann sich die Haut in der Brustfalte entzĂŒnden.cite-ref-kerrigan2001-21-0[21] Wenn durch einen schlecht angepassten BH zu viel Gewicht auf die Schultern ĂŒbertragen wird, kann dies zu orthopĂ€dischen Problemen fĂŒhren, die bis auf die WirbelsĂ€ule ausstrahlen können.cite-ref-ryan2000-22-0[22]

BH-Anpassung

Die BH-GrĂ¶ĂŸe wird von den Brustmaßen bestimmt, dabei sollte zuerst die UnterbrustbandgrĂ¶ĂŸe und erst danach die KörbchengrĂ¶ĂŸe bestimmt werden.cite-ref-23[23]

Unterbrustband

Das Unterbrustband sollte den Großteil des Brustgewichts tragen. Entgegen einer hĂ€ufigen Ansicht ist das nicht Aufgabe der SchultertrĂ€ger. Die SchultertrĂ€ger sollen die Brust lediglich etwas anheben und verhindern, dass der BH am Körper nach unten rutscht. Um seine tragende Aufgabe zu erfĂŒllen, muss das Unterbrustband relativ fest sitzen und darf auch bei Bewegung (Heben der Arme oder Zug auf die SchultertrĂ€ger) nicht verrutschen; es sollte sich nur wenige Zentimeter vom Körper weg ziehen lassen. Ein zu weites Unterbrustband rutscht meist im RĂŒcken nach oben. Ein passendes Unterbrustband sollte waagrecht um den Körper laufen und im RĂŒcken nicht höher sitzen als auf der Vorderseite.

Meist muss die UnterbrustbandgrĂ¶ĂŸe ein bis zwei Stufen kleiner als der gemessene Unterbrustumfang gewĂ€hlt werden, weil die meisten BHs im Unterbrustband grĂ¶ĂŸer geschnitten und dehnbarer sind, als die EtikettengrĂ¶ĂŸe vermuten lĂ€sst. Da auch ein zu kleines Körbchen mit einem zu großen Unterbrustband das GefĂŒhl eingeschnĂŒrt zu sein bewirken kann, lohnt es sich, den BH mit den Körbchen am RĂŒcken (oder verkehrt herum) anzuprobieren. So kann die UnterbrustbandgrĂ¶ĂŸe unabhĂ€ngig von der KörbchengrĂ¶ĂŸe ĂŒberprĂŒft werden.

Ein neuer BH sollte auf dem Ă€ußersten HĂ€kchen geschlossen werden, stabil sitzen und ausreichende StĂŒtzfunktion haben. Somit kann der BH, wenn er Ă€lter wird und sich dehnt, spĂ€ter am mittleren oder inneren HĂ€kchen geschlossen werden, sodass sich seine Nutzungsdauer erhöht.

Körbchen

Um zu prĂŒfen, ob das Körbchen die richtige GrĂ¶ĂŸe hat, ist es zunĂ€chst wichtig, die Brust vollstĂ€ndig in das Körbchen zu legen. GrundsĂ€tzlich lĂ€sst sich die GrĂ¶ĂŸe bei einem ungepolsterten BH mit BĂŒgeln leichter bestimmen. Die BĂŒgel sollen zwischen den BrĂŒsten flach auf dem Brustbein aufliegen und direkt unter der Brust verlaufen. An den Seiten dĂŒrfen die BĂŒgel nicht auf dem Brustgewebe aufliegen, sondern sollen hinter dem Brustgewebe und flach auf den Rippen aufliegen. Das BĂŒgelende sollte zur Mitte der Achseln zeigen.

Ein zu kleines Körbchen erkennt man oft daran, dass die BĂŒgel zwischen den BrĂŒsten abstehen, anstatt auf dem Brustbein aufzuliegen. BĂŒgel, die unter den Armen in das empfindliche Brustgewebe drĂŒcken, können an einer zu kleinen KörbchengrĂ¶ĂŸe, aber auch an einem BH-Modell mit zu schmalen BĂŒgeln liegen. Der Stoff des Körbchens sollte nicht in das Brustgewebe einschneiden. Stofffalten an der Brustspitze sind oft ein Zeichen fĂŒr ein zu kleines Körbchen. Falten am Körbchenrand können ein zu großes Körbchen kennzeichnen, aber auch einen BH-Schnitt, der fĂŒr BrĂŒste mit mehr Volumen im oberen Brustbereich gedacht ist.

Film

‱ Der BĂŒstenhalter des Herrn Lindauer. Dokumentation zur Geschichte. Deutschland, 2008, Regie: Martina Treuter, IMDb
‱ 2014: Bra Wars – Hollywoods AffĂ€re mit dem BH, Dokumentarfilm, Deutschland. Regie: Hermann Vaske
‱ 2024: Die Dessous-Boutique, Dokumentarfilm, Israel, 2024.
‱ 2025: Warum dieser BH Frauenfußball verĂ€ndert hat, Dokumentarfilm, Deutschland,

Weblinks

Commons

: BĂŒstenhalter

– Sammlung von Bildern

Wiktionary: BH

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wiktionary: BĂŒstenhalter

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Literatur ĂŒber BĂŒstenhalter im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Dalya Alberge: Discovered in a castle vault, the scraps of lace that show lingerie was all the rage 500 years ago. In: dailymail.co.uk, 16. Juli 2012.
cite-note-22. ↑ Sensation: 532 Jahre alter BH gefunden. In: tirol.orf.at, 18. Juli 2012.
cite-note-33. ↑ BĂŒstenhalter aus dem Mittelalter – Der Sonder-Bra. In: Spiegel Online. 19. Juli 2012, abgerufen am 5. Dezember 2012.
cite-note-44. ↑ Patent CH6264A: BĂŒstenhalter. Angemeldet am 6. Februar 1893, veröffentlicht am 31. Juli 1893, Erfinder: Hugo Schindler.‌
cite-note-55. ↑ Stichtag: 6. Februar 1893 - Hugo Schindler erhĂ€lt Schweizer Patent fĂŒr den BĂŒstenhalter, wdr.de, 6. Februar 2018
cite-note-66. ↑ Patent DE110888C: Frauenleibchen als BrusttrĂ€ger. Angemeldet am 5. September 1899, veröffentlicht am 11. Juni 1900, Erfinder: Christine Hardt.‌
cite-note-77. ↑ Patent GB189816955A: Improvements in or relating to Corsets. Angemeldet am 5. August 1898, veröffentlicht am 15. Juli 1899, Erfinder: Veuvr H. Cadolle nĂ©e. Herminie Sardon.‌
cite-note-81. Patent US143921A: Improvement in Bosom-Pads. Angemeldet am 17. Juli 1873, veröffentlicht am 21. Oktober 1873, Erfinder: Helen M. Millar.‌
cite-note-99. ↑ Stefanie Sappert: FĂŒr Butter den einzigen BH ausgeliehen. Heilbronner Stimme, 4. Februar 2013, archiviert vom Original am 20. Dezember 2025; abgerufen am 20. Dezember 2025.
cite-note-1010. ↑ Elke Wittich: Erfinderinnen des Sport-BHs: Verzwickte Angelegenheit. In: Die Tageszeitung: taz. 23. MĂ€rz 2022, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 24. Juli 2022]).
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cite-note-1818. ↑ Medizin transparent: Der BH: schlecht fĂŒr die Brust?, vom 17. Juli 2017, geladen am 16. MĂ€rz 2018
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cite-note-2323. ↑ Anleitung auf einen Blick: BH-GrĂ¶ĂŸe und KörbchengrĂ¶ĂŸe richtig bestimmen. In: rbb-online.de. 10. April 2018, abgerufen am 28. Mai 2018.